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HAGEN® GmbH Planer und Architekten BDA

Wohnen auf der Erbainsel

Bamberg · 2009

Auf der Bamberger Erbainsel entsteht das Konzept für ein Wohnensemble, das die besondere Lage zwischen Stadt, Park und Wasser zum Ausgangspunkt seiner Architektur macht. Die orthogonal zur Regnitz gesetzten Längsriegel nutzen das Baufeld effizient und schaffen zugleich vielfältige Blickbeziehungen zum Flussraum und in die umgebende Landschaft.

Ort
Bamberg – Erba-Areal
Maßnahme
Neubau
Verfahren
Wettbewerb
Leistungsphasen (HOAI)
1-2
Status
Nicht realisiert
Typologie
Wohnen, Wettbewerbe & Gutachten
Jahr
Fläche (BGF)
5.200 m²
Brutto-Rauminhalt (BRI)
18.600 m³

Stand:

Je Geschoss entstehen fünf bis sechs Wohnungen unterschiedlicher Größe. Ihre Erschließung erfolgt über ein mehrgeschossiges, natürlich belichtetes Atrium mit Treppen, Aufzug und brückenartigen Stegen. Küchen, Bäder und Nebenräume orientieren sich zu dieser inneren Mitte und erhalten über sie Licht und Frischluft; die Wohn- und Aufenthaltsräume öffnen sich dagegen großzügig nach außen.

Alle Wohnungen verfügen über einen unmittelbaren Bezug zum Freiraum: im Erdgeschoss über private Gartenbereiche, in den Obergeschossen über Terrassen, Balkone oder Loggien. Ein zweigeschossiges „Tor“ formuliert den Eingang und verbindet die Wohnhäuser mit der darunterliegenden Parkgarage. Baumhaine gliedern die geschützten Innenbereiche, ohne die Sichtbeziehungen zum Ufer zu verstellen.

Die besondere Qualität des Standorts liegt in seiner Transformation: Das ehemalige Gelände der ERBA-Baumwollspinnerei entwickelte sich von einem Industrieareal zu einem neuen Stadtbaustein aus Wohnen, Universität und Landschaft. Die Insel wird von Regnitz und Main-Donau-Kanal eingefasst; im Zuge der Landesgartenschau 2012 entstand hier eine weitläufige Parklandschaft, die heute dauerhaft als öffentlicher Freiraum erhalten ist.

Architektur zwischen Park und Wasser

Die Baukörper reagieren auf die ungewöhnliche Insellage mit einer klaren, horizontal gegliederten Architektur. Großzügige Öffnungen, eingeschnittene Loggien und weit auskragende Terrassen vermitteln zwischen den Wohnungen und der Landschaft. Zum Wasser hin entsteht keine geschlossene Stadtkante, sondern eine Folge durchlässiger Volumen, zwischen denen Grünraum und Blickbeziehungen bis tief in das Quartier reichen. Die Lage auf der ehemaligen Industrieinsel prägt dabei den Charakter des Entwurfs: Aus einem über Jahrzehnte abgeschlossenen Produktionsstandort wird ein offenes Stück Stadt, in dem Wohnen, Landschaft und die unmittelbare Nähe zur Regnitz miteinander verbunden werden.

Vertikale Räume

Neben klassischen Geschosswohnungen entwickelt der Entwurf besondere räumliche Situationen über mehrere Ebenen. Zweigeschossige Bereiche erzeugen Großzügigkeit und verbinden unterschiedliche Wohnzonen visuell miteinander.

Galerien, hohe Verglasungen und differenzierte Raumhöhen schaffen innerhalb der klaren Gebäudestruktur individuelle Wohnformen. Der Wechsel zwischen offenen und geschützten Bereichen erlaubt Rückzug ebenso wie gemeinschaftliches Leben und verleiht den Wohnungen eine räumliche Qualität, die über eine rein funktionale Grundrissorganisation hinausgeht.

Wohnen mit Weite

Die Grundrisse sind auf Offenheit und unterschiedliche Formen des Zusammenlebens ausgelegt. Wohnen, Essen und Küche bilden einen zusammenhängenden Raum, dessen einzelne Bereiche durch Möblierung und Einbauten gegliedert werden, ohne ihre räumliche Verbindung zu verlieren.

Bodentiefe Verglasungen verlängern den Innenraum optisch bis in die Loggien und Terrassen. Tageslicht fällt aus mehreren Richtungen tief in die Wohnungen; Ausblicke auf Baumkronen, Park und Fluss werden zum selbstverständlichen Bestandteil des Wohnens. Die Architektur versteht den Außenraum damit nicht als Ergänzung, sondern als Erweiterung des eigentlichen Wohnraums.

Von der Industrieinsel zum Wohnort

Seit der Gründung der Baumwollspinnerei 1858 war die Erbainsel über ein Jahrhundert industriell geprägt. Nach dem Ende der Produktion wurde das Werksareal schrittweise transformiert. Mit Universität, Wohnungsbau und dem aus der Landesgartenschau 2012 hervorgegangenen ERBA-Park entstand ein neuer Stadtteil, in dem die Industriegeschichte ablesbar bleibt.

Rückzug mit Landschaftsbezug

Auch die privaten Räume öffnen sich zur Landschaft. Großformatige Fenster rahmen Ausblicke und lassen die Grenze zwischen Innen und Außen zurücktreten. Eine ruhige Materialisierung bildet den Hintergrund für Licht und Tagesstimmungen. Loggien und vorgelagerte Außenbereiche schaffen geschützte Rückzugsorte mit direktem Bezug zur Erbainsel.

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